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Finanzwiki

Anleihe

Geschrieben von Lena · Betriebswirtin (M. Sc.) mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft

Der Eintrag ist am BGB, am Einkommensteuergesetz, am BMF-Schreiben zur Abgeltungsteuer und an Veröffentlichungen von Finanzagentur, BaFin und Bundesbank geprüft.

Quellen offen dokumentiert, so arbeiten wir

Stand:

Kurz beantwortet

Eine Anleihe ist eine Schuldverschreibung: Der Anleger leiht dem Emittenten, zum Beispiel einem Staat oder Unternehmen, Geld für eine feste Laufzeit und erhält Zinsen (Kupon) sowie am Ende in der Regel den Nennwert zurück. Der Kurs fällt, wenn der Marktzins steigt. Zinsen und Kursgewinne unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer von 25 %.

Was ist eine Anleihe?

Eine Anleihe heißt auch Schuldverschreibung, Rentenpapier oder Obligation. Wer sie kauft, leiht dem Emittenten einen bestimmten Betrag für eine festgelegte Zeit und wird dadurch Gläubiger, nicht Teilhaber. Zu einem bestimmten Stichtag gibt es die in den Bedingungen festgelegten Zinsen, am Ende der Laufzeit in der Regel das eingesetzte Geld zurück.[1]

Rechtlich ist eine Anleihe eine Schuldverschreibung: Wer eine Urkunde ausstellt, in der er dem Inhaber eine Leistung verspricht, schuldet diese Leistung nach Maßgabe des Versprechens (§ 793 Abs. 1 BGB).[2] Für nach deutschem Recht begebene, inhaltsgleiche Schuldverschreibungen aus Gesamtemissionen gilt das Schuldverschreibungsgesetz, nicht aber für Schuldverschreibungen, deren Schuldner der Bund, ein Land oder eine Gemeinde ist (§ 1 SchVG).[3]

Nennwert, Kupon, Laufzeit und Kurs

  • Nennwert: der Betrag, auf den sich Zinsen und Rückzahlung beziehen.
  • Kupon: der vereinbarte Zinssatz. Bei Bundeswertpapieren ergeben sich je nach Kuponhöhe jährliche, feste Zinszahlungen, bei Fälligkeit werden sie zum vollen Nennwert zurückgezahlt.[4]
  • Laufzeit: der Zeitraum bis zur Rückzahlung. Anleihen können Laufzeiten von bis zu 30 Jahren oder länger haben.[1]
  • Kurs: der Börsenpreis in Prozent des Nennwerts. Kurse handelbarer Anleihen werden täglich an der Börse bestimmt, abhängig vom Marktzins.[4]

Kurs und Rendite: Warum der Kurs bei steigenden Zinsen fällt

Für die Kursentwicklung gilt die Regel: Steigt der Marktzins, fällt der Anleihekurs, sinkt der Marktzins, steigt der Kurs. Je länger die Restlaufzeit und je niedriger der Kupon, desto stärker reagiert der Kurs.[5] Der Grund: Neue Anleihen tragen bei höherem Marktzins einen höheren Kupon, deshalb müssen ältere Anleihen mit niedrigerem Kupon im Kurs fallen, um noch gekauft zu werden.[4]

Neue Bundesanleihen werden grundsätzlich zu einem Kurs nahe 100 % ausgegeben und bei Fälligkeit zu 100 % zurückgezahlt. Ein Kauf unter 100 % führt bei Halten bis zur Fälligkeit zu Kursgewinnen, ein Kauf über 100 % zu Kursverlusten. Kursschwankungen zählen nur, wenn die Anleihe vor der Fälligkeit verkauft wird.[5] Zur Beurteilung der Ertragschancen ist die Rendite die genauere Größe, weil der Kupon allein den Kaufkurs nicht berücksichtigt.[4]

Die Bundesbank veröffentlicht Umlaufsrenditen inländischer Inhaberschuldverschreibungen. Im Oktober 2026 lag der Monatswert über alle erfassten Papiere bei 3,61 %, für börsennotierte Bundeswertpapiere bei 3,40 % (Stand der Veröffentlichung: 2. November 2026).[6]

Emittenten, Bonität und Risiken

Bei staatlichen Emittenten spricht man von öffentlichen Anleihen. Banken und Sparkassen geben Bankschuldverschreibungen oder Pfandbriefe heraus, Industrieunternehmen Industrieobligationen. Die Bonität beschreibt, wie sicher ein Emittent seine Zins- und Tilgungspflichten erfüllen kann, und sie kann sich während der Laufzeit ändern. Emittenten mit erstklassiger Bonität, etwa deutsche Staatsanleihen, bieten konservative Papiere an, eine erstklassige Bonität geht meist mit geringerer Rendite einher.[1]

Die wichtigsten Risiken im Überblick:

  • Bonitätsrisiko: Der Schuldner kann in Zahlungsschwierigkeiten geraten oder zahlungsunfähig werden, dann können Kapital und Zinsen teilweise oder ganz ausfallen.
  • Zinsänderungsrisiko: Mit dem allgemeinen Marktzins ändert sich der Kurs.
  • Kursänderungsrisiko: Wer vor Ende der Laufzeit verkauft, muss die aktuellen Marktpreise hinnehmen.
  • Währungsrisiko: Bei Anleihen, die nicht in Euro ausgegeben werden, wirken sich Wechselkursschwankungen auf Gewinn oder Verlust aus.[1]

Stückzinsen

Wird eine Anleihe im Laufe eines Zinszahlungszeitraums verkauft, vergütet der Käufer dem Verkäufer in der Regel den Zinsbetrag für die Zeit seit Beginn des laufenden Zinszahlungszeitraums bis zum Verkauf. Diese Zinsen heißen Stückzinsen. Der Verkäufer versteuert sie als Einkünfte aus Kapitalvermögen, beim Käufer sind sie negative Einnahmen aus Kapitalvermögen im Jahr der Zahlung.[7]

Besteuerung in Deutschland

Zinsen aus Anleihen sind Erträge aus sonstigen Kapitalforderungen (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG). Gewinne aus der Veräußerung gehören ebenfalls zu den Einkünften aus Kapitalvermögen, als Veräußerung gilt dabei auch die Einlösung oder Rückzahlung (§ 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 und Satz 2 EStG).[8] Es gilt der besondere Steuersatz von 25 % (§ 32d Abs. 1 EStG),[9] die Kapitalertragsteuer beträgt 25 % des Kapitalertrags (§ 43a Abs. 1 EStG).[10] Hinzu kommen 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer (§ 4 SolzG)[11] und gegebenenfalls Kirchensteuer, zusammen die Abgeltungsteuer.

Zuvor wird der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € (2.000 € bei zusammen veranlagten Ehegatten) abgezogen (§ 20 Abs. 9 EStG).[8]

Bundeswertpapiere als Beispiel

Der Bund gibt Anleihen als Bundeswertpapiere aus. Bundesschatzanweisungen (Schatz) haben 2 Jahre Laufzeit, Bundesobligationen (Bobl) werden mit Fälligkeiten von 5 Jahren emittiert, Bundesanleihen (Bund) haben Ursprungslaufzeiten von 7, 10, 15, 20 und 30 Jahren. Die Stückelung beträgt 0,01 €, eine vorzeitige Rückzahlung durch Kündigung oder Auslosung seitens des Emittenten ist nicht vorgesehen. Alle Bundeswertpapiere mit mehr als einem Jahr Ursprungslaufzeit werden an der Börse gelistet.[4]

Rechenbeispiel: Kupon, laufende Verzinsung, Stückzinsen

Eine Anleihe hat 1.000 € Nennwert und einen Kupon von 3 % pro Jahr. Der Kupon bringt jährlich 30 €.

  • Kauf zu 100 % (1.000 €): laufende Verzinsung 30 € / 1.000 € = 3,00 %.
  • Kauf zu 95 % (950 €): 30 € / 950 € = 3,16 %. Wird bis zur Fälligkeit gehalten, kommen 50 € Kursgewinn hinzu, weil 1.000 € zurückgezahlt werden.
  • Kauf zu 105 % (1.050 €): 30 € / 1.050 € = 2,86 %. Bei Halten bis zur Fälligkeit entsteht ein Kursverlust von 50 €.

Die laufende Verzinsung ist nur der Kupon geteilt durch den Kaufpreis. Die Rendite bis zur Fälligkeit berücksichtigt zusätzlich den Kursgewinn bzw. Kursverlust und die Laufzeit und fällt deshalb anders aus.

Stückzinsen: Wird die Anleihe 73 Tage nach dem letzten Zinstermin gekauft und umfasst die Zinsperiode 365 Tage, betragen die Stückzinsen 30 € × 73 / 365 = 6,00 €.

Steuer auf einen Kupon von 30 € ohne Kirchensteuer und ohne verbleibenden Freibetrag: Kapitalertragsteuer 25 % = 7,50 €, Solidaritätszuschlag 5,5 % = 0,4125 €, abgeschnitten 0,41 €, zusammen 7,91 €.

Grenzen und Sonderfälle

Der Eintrag beschreibt festverzinsliche Anleihen mit Euro-Zahlungen im Privatvermögen. Anleihen mit variabler Verzinsung, Nullkuponanleihen, Fremdwährungsanleihen und Wandelanleihen haben abweichende Bedingungen, die Emissionsbedingungen entscheiden. Der Eintrag ersetzt keine Steuerberatung.

Häufige Fragen

Was ist eine Anleihe?

Eine Anleihe ist eine Schuldverschreibung: Der Anleger leiht dem Emittenten einen Betrag für eine feste Zeit, erhält Zinsen und in der Regel am Ende der Laufzeit das Geld zurück. Er wird Gläubiger, nicht Teilhaber.

Warum fällt der Kurs einer Anleihe, wenn die Zinsen steigen?

Neue Anleihen tragen dann einen höheren Kupon. Ältere Anleihen mit niedrigerem Kupon müssen im Kurs fallen, damit sie noch gekauft werden.

Was ist der Unterschied zwischen Kupon und Rendite?

Der Kupon ist der vereinbarte Zinssatz auf den Nennwert. Die Rendite berücksichtigt zusätzlich den Kaufkurs, einen Kursgewinn oder Kursverlust bis zur Fälligkeit und die Laufzeit.

Was sind Stückzinsen?

Stückzinsen sind die anteiligen Zinsen für die Zeit seit Beginn des laufenden Zinszahlungszeitraums, die der Käufer dem Verkäufer beim Kauf mitten in einer Zinsperiode vergütet.

Wie werden Zinsen aus Anleihen besteuert?

Als Einkünfte aus Kapitalvermögen mit 25 % Kapitalertragsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer und gegebenenfalls Kirchensteuer, nach Abzug des Sparer-Pauschbetrags.

Quellen

  1. [1] Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht: Anleihen (Schuldverschreibung) auf einen Blick. Abgerufen am 4. November 2026.
  2. [2] Bundesministerium der Justiz: Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 793 Rechte aus der Schuldverschreibung auf den Inhaber. Abgerufen am 4. November 2026.
  3. [3] Bundesministerium der Justiz: Schuldverschreibungsgesetz (SchVG) § 1 Anwendungsbereich. Abgerufen am 4. November 2026.
  4. [4] Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur: Überblick Bundeswertpapiere. Abgerufen am 4. November 2026.
  5. [5] Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur: Bundesanleihen. Abgerufen am 4. November 2026.
  6. [6] Deutsche Bundesbank: Umlaufsrenditen inländischer Inhaberschuldverschreibungen, Monatswerte (Stand der Veröffentlichung 2. November 2026). Abgerufen am 4. November 2026.
  7. [7] Bundesministerium der Finanzen: Einzelfragen zur Abgeltungsteuer (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, BStBl I S. 1330, EStH 2025 Anhang 19 II, Rn. 49 bis 51). Abgerufen am 4. November 2026.
  8. [8] Bundesministerium der Justiz: Einkommensteuergesetz (EStG) § 20 Einkünfte aus Kapitalvermögen (Absatz 1 Nummer 7, Absatz 2 Satz 1 Nummer 7 und Satz 2, Absatz 9). Abgerufen am 4. November 2026.
  9. [9] Bundesministerium der Justiz: Einkommensteuergesetz (EStG) § 32d Gesonderter Steuertarif für Einkünfte aus Kapitalvermögen. Abgerufen am 4. November 2026.
  10. [10] Bundesministerium der Justiz: Einkommensteuergesetz (EStG) § 43a Bemessung der Kapitalertragsteuer. Abgerufen am 4. November 2026.
  11. [11] Bundesministerium der Justiz: Solidaritätszuschlaggesetz 1995 (SolzG 1995) § 4 Zuschlagsatz. Abgerufen am 4. November 2026.

Redaktion

Text und Rechenweg: Lena, Betriebswirtin (M. Sc.) mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft

Lena hat Betriebswirtschaftslehre im Bachelor und Master studiert, mit den Schwerpunkten Finanzwirtschaft, Rechnungswesen und Steuern. Bei Finanzwiki schreibt sie über Geldanlage, ETFs, Steuern und Altersvorsorge.

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    Feste Laufzeit, fester Zins: wie Festgeld funktioniert, wie sicher es ist und was Zinsen und Steuern daraus machen.

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